Deutschlandfonds im Realitätscheck: Wird Altersvorsorge ausreichend mobilisiert?

04. Februar 2026

Der Deutschlandfonds im Realitätscheck

Initiative Deutsche Infrastruktur bringt öffentliches Handeln und privates Kapital zusammen - Inhaltlicher Austausch bei Webinar zum aktuellen Stand der Dinge nach dem Startschuss im Dezember

Mit der Vorstellung des Deutschlandfonds am 18. Dezember 2025 hat die Bundesregierung große Erwartungen geweckt. Rund 30 Mrd. Euro an staatlichen Bürgschaften, Garantien und Beteiligungen sollen Investitionen mit privatem Kapital von insgesamt bis zu 130 Mrd. Euro in zentralen Infrastrukturbereichen anstoßen. Die dringend notwendige Modernisierung und Transformation der Infrastruktur in Deutschland soll dadurch einen entscheidenden Impuls bekommen. Doch ist diese Erwartungshaltung realistisch?

Ein Webinar der Initiative deutsche Infrastruktur e.V. (IDI) am 4. Februar 2026 bot der öffentlichen wie der privaten Seite erstmals die Möglichkeit, zur Beantwortung dieser Frage gemeinsam in den Austausch zu gehen. Mehr als 50 Teilnehmer hatten sich zugeschaltet. Der Informationsbedarf ist nach dem Startschuss für dieses Bundesprogramm zur Infrastrukturfinanzierung offensichtlich hoch. Und offensichtlich kamen bei dieser Veranstaltung die richtigen Gesprächspartner zusammen.

Als Vertreter der öffentlichen Seite fungierte Dr. Christian Seitz, Abteilungsleiter Vorstandsstab bei der KFW. Die staatliche Förderbank ist für die konkrete Umsetzung des Bundesprogramms verantwortlich. Dr. Seitz gab zunächst einen Überblick über den Deutschlandfonds und erläuterte, dass es Ziel des Deutschlandfonds ist, dringend benötigte private Investitionen für wichtige Transformationsprojekte zu ermöglichen, um die Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz Deutschlands langfristig zu sichern. Der Deutschlandfonds ist entgegen der Namensgebung kein Fonds im eigentlichen Sinne, sondern ein Programm, welches verschiedene Finanzierungsbausteine und Initiativen bündelt. Weiterhin ging er auf die aktuell geplanten nächsten Schritte ein und betonte die Wichtigkeit, staatliches Kapital mit privaten Geldern zu hebeln. Neben der Ausgestaltung weiterer Produktideen zur Schließung substanzieller Finanzierungslücken in zentralen Zukunftsfeldern spiele das Thema Privatkapitalmobilisierung eine entscheidungserhebliche Rolle.

Der Erfolg des Deutschlandfonds werde unter anderem daran gemessen, wie viel privates Kapital sich mobilisieren lasse und, dass messbares Wirtschaftswachstum erzielt werden konnte. Das Kapital soll zudem möglichst effektiv investiert werden. Im Bereich der Start-Ups gibt es bereits erste Investitionen.

Als Vertreterin des langfristig orientierten Investitionskapitals aus Deutschland stellte Dr. Sofia Harrschar, Managing Director bei Palladio Partners und Leiterin des IDI-Arbeitskreises Regulatorik, das Positionspapier "Deutschlandfonds & Infrastruktur - Welche Rolle kann das Deutsche Altersvorsorgekapital einnehmen?" vor. Sie ordnete die vier zentralen Leitprinzipien ein: Transparenz, Kongruenz, Kontinuität und Transfer. Aus Investorensicht sind diese vier Punkte entscheidend. Sichtbare Projektpipelines, ausgewogene Risiko-Rendite-Modelle, langfristige Planbarkeit und ein effizienter Transfer in umsetzbare Projekte sind die zentralen Voraussetzungen, um privates Kapital wirksam für Infrastruktur zu mobilisieren. Deutsches Altersvorsorgekapital ist in besonderer Weise geeignet, langfristige Finanzierungen wie Infrastruktur zu übernehmen. Diese sogenannten Ewigkeitsinvestoren sind kapitalkräftig und haben neben der Renditeerwartung auch ein originäres Interesse an der Verbesserung der Infrastruktur in Deutschland. Den beiden Redebeiträgen schloss sich eine spannende Diskussion an, bei der sowohl das große Interesse an der Konkretisierung des Deutschlandfonds als auch die hohe Zahl an noch offenen Themen und das Bedürfnis nach einem offenen Austausch deutlich wurde.

Schon frühzeitig hatte sich die IDI - Initiative deutsche Infrastruktur e.V. als Plattform für den inhaltlichen Austausch zwischen Politik und privatem Investitionskapital aus Deutschland angeboten. Nach diesem gelungenen Auftakt im Februar gilt es den Austausch zu vertiefen, um den Hebel durch langfristiges privates Investitionskapital zu vergrößern und Prozesse zu vereinfachen. Die IDI steht hierfür als Diskussionsplattform weiterhin zur Verfügung. Alle Vertreterinnen und Vertreter von privatem Investitionskapital für Infrastruktur sind eingeladen, ihre Hinweise und Vorschläge über uns in einen vertieften Austausch mit Politik und KFW einzubringen.